Mama To Go - Working Mum

Mama To Go! – Wenn Funktionieren nicht mehr reicht

Mama To Go - Working Mum

Mama To Go. Als ich diesen Begriff das erste Mal in meinem Kopf hatte, musste ich schmunzeln.

Er erinnerte mich an einen Coffee to go – schnell mitgenommen, immer griffbereit, immer unterwegs. Und plötzlich dachte ich: 

Genau so fühle ich mich!!!

Ich bin immer verfügbar. Immer erreichbar. Immer in Bewegung. Immer bereit. Allzeit bereit 😉

Immer für alle da.

Aber wann bin ich eigentlich noch für mich da?

Ich bin Mutter. Und ich liebe es, Mutter zu sein.

Doch ich bin eben nicht nur Mutter.

Mein Tag beginnt mit Verantwortung

Ich bin auch Berufstätige. Ich habe Ziele, Wünsche und Talente. Ich möchte mich beruflich weiterentwickeln und meinen Beitrag leisten. Ich bin Partnerin, Freundin, Tochter und oft auch diejenige, die dafür sorgt, dass der Familienalltag überhaupt funktioniert.

Mein Tag beginnt nicht mit einem Kaffee. Und auch nicht mit einem Coffee to go.

Mein Tag beginnt mit Verantwortung.

Frühstück vorbereiten. Brotdosen packen. Kinder wecken. Daran denken, dass heute Sport ist. Die Einverständniserklärung für den Schulausflug unterschreiben. Noch schnell eine Waschmaschine anstellen. Zähne putzen, Haare kämmen, ab in die Schule.

Dann geht es zur Arbeit.

 

Mama To Go

Doch selbst dort bleibt ein Teil meines Kopfes zu Hause.

  • Hat mein Kind heute an seine Sporttasche gedacht?
  • Hat mein Kind seine Hausaufgaben eingepackt?
  • Wer fährt heute Nachmittag zum Training?
  • Könnte das Fieber gestern Abend doch etwas Ernstes gewesen sein? Usw.

Ich sitze im Büro.

Aber gedanklich organisiere ich gleichzeitig den Familienalltag.

Und genau das ist für mich Mama To Go.

Nicht nur ständig unterwegs von einem Ort zum nächsten.

Sondern ständig unterwegs zwischen meinen Rollen.

  • Von der Mitarbeiterin zur Mutter.
  • Von der Mutter zur Fahrerin.
  • Von der Fahrerin zur Köchin.
  • Von der Köchin zur Hausaufgabenbegleiterin.
  • Von der Hausaufgabenbegleiterin zur Streitschlichterin.
  • Von der Streitschlichterin zur Krankenschwester.
  • Von der Krankenschwester zur Organisatorin.

Es gibt keinen wirklichen Rollenwechsel.

Alles läuft gleichzeitig.

Und irgendwann habe ich gemerkt, dass ich eigentlich nur noch funktioniere.

Irgendetwas stimmt hier nicht

Ich dachte immer, ich müsste mich nur besser organisieren

Ich dachte:

"Wenn ich meinen Tag besser plane, bekomme ich das schon hin."

Also dachte ich: 

  • ich brauche einen besseren Kalender mit mehr Übersicht, 
  • ich schreibe To-Do-Listen zum Abarbeiten, 
  • ich koche wenn möglich so viel, dass etwas für den nächsten Tag übrigbleibt, 
  • ich strukturierte die Woche, ich versuche, noch effizienter zu werden.

Natürlich hilft mir das kurzfristig. Aber tief in mir bleibt dieses Gefühl.

„Irgendetwas stimmt hier nicht.“

Denn egal, wie gut ich organisiert bin – ich fühle mich trotzdem ständig erschöpft.

Jetzt weiß ich, warum.

Mental Load

Das eigentliche Problem heißt - Mental Load

Ich habe das zuvor noch nie gehört. Ich weiß einfach, dass ich langsam an eine Grenze komme, wo ich mich frage, wie lange halte ich durch. Wie lange bin ich belastbar und ab wann kippe ich um. Es gab auch schon Zeiten, wo ich gedacht habe: „wenn ich jetzt einfach umfalle, dann habe ich Pause.“

Jetzt habe ich für dieses Phänomen einen Begriff: 

Mental Load. Mental Load bedeutet nicht, viele Aufgaben zu haben. Mental Load bedeutet, ständig an alles denken zu müssen.

Es ist diese unsichtbare Verantwortung, die niemand sieht.

  • Ich weiß, wann der nächste Kindertermin ansteht.
  • Ich weiß, welche Jacke zu klein geworden war.
  • Ich weiß, welches Kind gerade Streit mit einem Freund hat.
  • Ich weiß, wann die Klassenfahrt bezahlt werden muss.
  • Ich weiß, dass bald ein Geschenk für den Kindergeburtstag gebraucht wird.
  • Ich weiß einfach alles.

Und genau das ist unglaublich anstrengend.

Die Neurowissenschaft zeigt inzwischen, dass unser Gehirn gar nicht dafür gemacht ist, permanent zwischen so vielen Aufgaben und Verantwortlichkeiten hin- und herzuwechseln. Jeder Wechsel kostet Energie. Gleichzeitig bleibt unser Stresssystem aktiv. Der Körper schüttet vermehrt Stresshormone wie Cortisol aus und das Nervensystem findet immer seltener in einen Zustand echter Erholung zurück.

Deshalb fühlen sich viele Mütter abends vollkommen erschöpft, obwohl sie das Gefühl haben, "gar nichts Besonderes" gemacht zu haben.

Doch!!!

Stress ist Stress ist Stress

Die Mütter haben den ganzen Tag gedacht. An das Essen machen, an die Schulaufgaben, den Vorspieltermin, das Üben, den Schuhkauf, den Reifenwechsel, die Klassenfahrt, das Organisieren von Geburtstag, Urlaub, Treffen mit Freunden, und und und…

Das Problem ist, das Nervensystem kennt keinen Unterschied: Stress ist Stress!

Unser Nervensystem unterscheidet nicht zwischen körperlichem und mentalem Stress.

Ob ich einen Marathon laufe oder acht Stunden lang Verantwortung für alle trage – mein Körper reagiert auf beides.

Wenn dieser Zustand dauerhaft anhält, bleibt das Nervensystem in Alarmbereitschaft.

Folgen des Mental Loads

Viele Mütter kennen die Folgen:

Sie schlafen schlecht. Sie sind schneller gereizt. Sie können kaum abschalten. Sie fühlen sich schuldig, wenn sie sich ausruhen, und und und...

Sie funktionieren.

Aber sie fühlen sich nicht mehr lebendig.

Kein Wunder, dass so viele Frauen das Gefühl haben, kurz vor einem Burnout zu stehen.

Nicht weil sie zu schwach sind.

Sondern weil die Anforderungen inzwischen oft größer geworden sind als das, was ein Mensch dauerhaft gesund leisten kann.

Das Rollenbild hat sich verändert – die Erwartungen nicht.

Das Rollenbild hat sich verändert – die Erwartungen nicht

Ich bin dankbar dafür, dass wir Frauen heute so viele Möglichkeiten haben.

Wir dürfen arbeiten. Karriere machen. Unsere Talente leben. Finanziell unabhängig sein.

Doch gleichzeitig sind die alten Erwartungen an die Mutter kaum kleiner geworden.

Ich soll liebevoll begleiten. Geduldig zuhören. Emotionale Sicherheit geben. Hausaufgaben unterstützen. Geburtstage organisieren. Freundschaften begleiten. Gesund kochen. An alles denken.

Und dabei möglichst entspannt bleiben.

Wenn ich ehrlich bin, fühlt sich das manchmal wie drei Vollzeitjobs gleichzeitig an.

Kein Kalender der Welt kann dieses Problem lösen.

Der innere Wendepunkt: Ich habe aufgehört, alles allein im Kopf zu tragen

Die größte Veränderung ist nicht die, dass ich Aufgaben abgegeben habe.

Sie begann damit, dass ich aufgehört habe, alles allein mitzudenken.

Das war und ist noch immer schwer für mich. Weil ich nicht diese Entscheidung alleine treffe, sondern mein Partner dabei eine große Rolle spielt und auch er in ein neues Verständnis eintauchen darf.

Denn ich hatte über Jahre gelernt, dass eine gute Mutter an alles denkt, fühlt, erahnt.

Und jetzt darf ich lernen auch loszulassen und meinen Partner in die Verantwortung des Denkens, Fühlens und Erahnens miteinzubeziehen.

Es ist nicht perfekt.

Und es funktioniert auch nicht von heute auf morgen. Aber ich darf Aufgaben abgeben oder sogar auch mal seinlassen. Prioritäten neu setzten. Jetzt darf mein Partner z.B. die Elternabende übernehmen. 

Früher hätte ich das kaum ausgehalten.

  • Ich kontrolliere nicht mehr jede Hausaufgabe.
  • Ich erinnere nicht mehr ständig an jede Kleinigkeit.
  • Wenn ein Sportbeutel vergessen wird, dann fahr ich ihn nicht mehr hinterher. 
  • Wenn ein Kuchen für das Schulfest gekauft wird, statt ihn selbst zu backen, dann ist das eben so.

Und ja ...

Es werden Dinge vergessen.

  • Nicht jeder Elternabend wird besucht.
  • Manche Hausaufgaben haben Fehler.
  • Termine werden auch verschoben.

Früher hätte ich gedacht:

"Das darf nicht passieren."

Heute denke ich, wie der Ire sagen würde:

"That´s the Way it is."

Perfektion loslassen ist ein wunderbares Geschenk

Perfektion loszulassen wird mein größtes Geschenk sein. Warum wird, weil ich noch mitten im Lernprozess stecke. Ich lerne, auszuhalten, dass Andere die Dinge anders machen als ich. Nicht schlechter. Nur eben Anders.

  • Mein Partner kümmert und organisiert vieles auf seine Weise.
  • Meine Kinder lernen selbstständiger zu werden. Was ja auch gut ist.
  • Sie packen ihre Schultasche. Sie denken an ihre Termine.
  • Und wenn sie etwas vergessen, erleben sie die Konsequenzen.

Das nennt man aus Erfahrung lernen. Und das ist ja auch was gutes, sie wachsen dadurch, übernehmen Verantwortung und entwickeln ein Vertrauen zu sich selbst.

Sie merken auch, dass Fehler keine Katastrophe sind. Und sie erleben etwas, das ich ihnen viel lieber vorleben möchte als Perfektion:

Dass eine Familie ein Team ist. Dass Verantwortung geteilt werden darf. Dass niemand alles allein tragen muss. Hier entsteht ein neues Spielfeld für die Familie, sie erhält Chancen zum Zusammenwachsen, zur gegenseitige Rücksichtnahme und alle dürfen Verständnis entwickelt.

Was mir persönlich hilft

Wenn Du Dich in meiner Geschichte wiedererkennst, möchte ich Dir ein paar Gedanken mitgeben. Nicht als Patentlösung. Sondern als Einladung.

  • Frage Dich einmal ehrlich: Welche Verantwortung trägst Du, obwohl sie auch jemand anderes übernehmen könnte?
  • Gib nicht nur Aufgaben ab, sondern auch das Mitdenken. Wer Verantwortung übernimmt, darf seinen eigenen Weg finden.
  • Erlaube Fehler. Sie sind kein Zeichen von Versagen, sondern Teil des Lernens – für Kinder genauso wie für Erwachsene.
  • Plane jeden Tag bewusst einen kleinen Moment nur für Dich ein. Schon zehn Minuten können Deinem Nervensystem helfen, aus dem Dauerstress auszusteigen.
  • Und frage Dich immer wieder: Muss das wirklich perfekt sein – oder reicht es, wenn es gut genug ist?

Mama To Go – bedeutet jetzt für mich etwas anderes

Ich werde immer viele Rollen haben.

  • Ich bin immer Mutter.
  • Berufstätige.
  • Partnerin.
  • Freundin.
  • Tochter.

Aber ich möchte nicht mehr nur funktionieren.

Heute bedeutet Mama To Go für mich nicht mehr, ständig zu rennen und es allen recht zu machen.

Heute bedeutet es, mich selbst mitzunehmen. 

  • Auf mich zu achten. 
  • Meine Grenzen ernst zu nehmen. 
  • Hilfe anzunehmen.
  • Verantwortung zu teilen.
  • Und meinen Kindern vorzuleben, dass Selbstfürsorge kein Egoismus ist.

Denn Kinder brauchen keine perfekte Mutter. 

  • Sie brauchen eine Mutter, die lachen kann. 
  • Die auch einmal müde sein darf.
  • Die Fehler machen darf.
  • Die Hilfe annehmen darf.
  • Und die ihnen zeigt, dass der Wert eines Menschen nicht davon abhängt, wie viel er leistet.

Mama To Stay

Vielleicht ist genau das die wichtigste Reise, die ich als Mutter antreten konnte.

Nicht die Reise zur perfekten Mama.

Sondern die Reise zurück zu mir selbst.

Jetzt erst mit der Erkenntnis „Mama To Go“ für alle anderen da zu sein, schreibe ich Mama To Go um in: 

Mama To Stay. An Deiner Seite – und bei mir selbst.

Fotos von unsplashed

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